English
Druckversion
Lex Barker
signature

Lex Barker

zurück zur Normalansicht


Interviews mit Weggefährten

Karen Kondazian

Karen Kondazian, 2009

Karen Kondazian, 2009

Sie war die Freundin und Begleiterin Lex Barkers in seinen letzten Tagen. Kennen gelernt hatte Karen Kondazian Barker im Winter 1972 auf einer Hollywood-Party, die sie in Begleitung von Lex' gutem Freund Bill Orr besuchte. Es war Liebe auf den ersten Blick. In Barkers letzten Monaten war Karen Kondazian öfter an seiner Seite. Sie begleitete ihn Ende April 1973 auch nach Kanada, bevor beide nach New York City fuhren. Am schicksalsreichen 11. Mai 1973 war Karen Kondazian an Lex Barkers Seite.

Die in Boston, Massachusetts, geborene Karen Kondazian ist wahrscheinlich am bekanntesten durch ihre meisterhaften Darstellungen von Tennessee Williams' Frauencharakteren, hat aber auch in Kinofilmen und Fernsehstücken gespielt, Bühnenstücke produziert, ihre Künste Studenten weitervermittelt und sich als Schriftstellerin einen Namen gemacht (ihr Buch "The Actor's Encyclopedia of Casting Directors" mit Interviews von Hollywoods besten Casting-Regisseuren wurde ein Bestseller).

Zu Lex Barkers Zeit agierte die Jungschauspielerin in US-amerikanischen Fernsehserien. Bemerkenswert ihre Westernrolle der Katie Elder Holliday in der Serie Appointment With Destiny-Episode 'Showdown at O.K. Corral', ihre Mrs. Mortimer in The Hound Of The Baskervilles (Der Hund von Baskerville, beide 1972) mit Sherlock Holmes Stewart Granger oder ihre Zigeunerin Franzia im Serienklassiker The Waltons (Die Waltons, 1973).


Karen mit Tennessee Williams, 1979

Karen mit Tennessee Williams, 1979

Nach Lex' Tod und einem einschneidenden Unfall kam der große Durchbruch mit der Produktion und Hauptrolle von Tennessee Williams' The Rose Tattoo (Die tätowierte Rose), produziert mit eigenem Geld, das sie als Dialog-Trainer von Hervé Villechaize in der Serie Fantasy Island verdiente. Karens Aufstieg zu einer ausdrucksstarken (Theater-)Mimin begann. Für die Rolle zeichnete sie der Los Angeles Drama Critics Circle als "Beste Schauspielerin" aus. Es begann eine lebenslange Freundschaft mit Tennessee Williams.

Andere Williams-Stücke mit ihr sind (bislang und geplant) Sweet Bird Of Youth (Süßer Vogel Jugend, 1979/80), The Night Of The Iguana (Die Nacht des Leguan, 1987), Orpheus Descending (Orpheus steigt herab, 1996/7), The Milk Train Doesn't Stop Here Anymore (Brandung, 2007) und The Roman Spring Of Mrs Stone (Mrs. Stone und ihr römischer Frühling, geplant 2010/11).

Exzellente Auftritte in Fernsehserien wie Shannon, Hill Street Blues, Cagney & Lacey, Frasier, NYPD Blue oder Filmen wie Yes, Giorgio (Geliebter Giorgio, 1982), James Dean: An Invented Life (James Dean — Ein Leben auf der Überholspur, 2001) und The Blue Hour (2007) folgten, in denen Karen Kondazian ihren Figuren immer Leben einhauchte.

Zu einem großartigen Theatererfolg avancierte Master Class (Los Angeles, 2007), in dem Karen Kondazian meisterhaft Opernstar Maria Callas während ihrer Lehrzeit an der Juilliard School verkörperte und hervorragende Kritiken erntete (zu den begeisterten Gästen des Stückes zählten übrigens auch Ed Harris und Faye Dunaway).

Nicht unerwähnt bleiben soll Karen Kondazian Unterstützung bei diversen Lex-Barker-Aktivitäten, insbesondere ihre aktive Mitarbeit bei Nominierungen für einen Stern auf dem Hollywood "Walk Of Fame" und im Rahmen der geplanten Lex-Barker-Filmdokumentation (siehe Beitrag Hollywood... Erinnerungen an Lex Barker).

Das nachfolgende Interview wurde 2009 geführt und wird erstmals veröffentlicht.

Karen, 2009 wäre Lex Barker 90 Jahre geworden. Wenn Du heute zurückblickst, was sind Deine Gedanken zu Lex?

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Als erstes erinnere ich mich an Lex als den romantischsten Mann, den ich jemals kennen lernte. Er war solch ein Gentleman, altmodisch im besten Sinne, es war eine große Freude mit ihm zusammen zu sein... Wir lagen gewöhnlich im Bett, sangen jede Nacht populäre Songs und lachten bis wir einschliefen. Er war viel tiefgründiger, als die meisten Menschen ahnten. Lex war so intelligent. Er war ein Renaissance-Mann... er konnte alles machen. Er sprach verschiedene Sprachen, arbeitete im Garten, kochte, ritt Pferde, war ein superber Tennisspieler, liebte das Kartenspiel und Golf. Trotzdem glaube ich, dass ein Teil von ihm ein trauriger, verletzter kleiner Junge war... er hatte schreckliche Angst davor, älter zu werden und sein gutes Aussehen zu verlieren. Aber alle Frauen liebten ihn. Lex war wie der Vater, den sich alle Mädchen erträumen. Er lehrte mich so viele Dinge.

Du warst mit Lex an seinen letzten Tagen zusammen. Wie erinnerst du dich an die drei Tage zwischen seinem 54. Geburtstag und dem 11. Mai 1973, seinem Todestag?

Einige Tage vor seinem Geburtstag flogen wir von Montreal nach New York. Wir wohnten bei Freunden von ihm in einem schönen Apartment an der Park Avenue. Ich erinnere mich, dass er mich an seinem Geburtstag mitnahm, um Marlon Brando in Last Tango in Paris zu sehen, einen Film, den er sehr liebte. Das war so seltsam... er sagte zu mir... "Du musst sehen, wie Brando am Ende stirbt. Es ist, als ob du alles in seinen Augen sehen kannst...". Und drei Tage später war er gegangen. Mit seinem Geburtstagsgeschenk gab ich ihm eine Karte, auf die ich ein Gedicht für ihn geschrieben hatte. Als er es las, hatte er Tränen in den Augen und er sagte: "Woher kennst du mich so gut?"

Karen mit Lex Barker, 1973

Karen mit Lex Barker, 1973

Am Morgen nach seiner Geburtstagsfeier erzählte er mir, dass er einen bösen Traum gehabt hätte... das jemand versuchte, mir weh zu tun. Er versuchte sie niederzuschlagen, aber sie hatten ihn von hinten festgehalten, seinen Brustkasten gepackt. Und er konnte nicht mehr atmen. Jetzt ist mir klar geworden, dass er vielleicht im Schlaf eine kleine Herzattacke hatte. In seiner letzten Nacht aßen wir in einem der ältesten und bekanntesten Restaurants in New York, im "21". Danach gingen wir tanzen. Ich erinnere mich, wie er mich mit einem Lachen fragte: "Wenn ich älter werde, wirst du mich im Rollstuhl herumfahren?" Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war er bereits angezogen und sagte, dass er seinen Agenten besuchen wollte. Ich sollte packen und wir würden uns im Apartment von Freunden zum Mittagessen treffen. Wir wollten später den Zug nach Connecticut nehmen, um andere Freunde zu besuchen. Er war immer sehr pünktlich und als er nicht zum Mittagessen erschien, waren wir alle sehr beunruhigt. Wir riefen Krankenhäuser an und gingen dann zu den nahe gelegenen Polizeistationen. Schließlich sagten sie an einer dieser Stationen: "Oh ja, Alexander Crichlow Barker... Er ist ins Leichenhaus gebracht worden. Er starb augenblicklich an einer schweren Herzattacke auf der Lexington Avenue." Nachdem wir ihn identifizierten, wurde er zu Campbell Funeral Home an der Madison Avenue gebracht.

Eine fiktive Frage: In welchen Rollen glaubst du, hätten wir Lex in den 1970er Jahren gesehen?

Lex war so attraktiv, deshalb denke ich, er wäre festgelegt gewesen auf solche Rollen wie Tarzan, bei denen es auf blendendes Aussehen ankam. Ich glaube aber, dass er innerlich viel mehr Potential hatte. In Das süße Leben (Das süße Leben) beispielsweise begann er sein wahres Talent zu zeigen. Wenn er weiter gelebt hätte, hätte er sicher die Art von Rollen spielen können, die Clint Eastwood spielte... und auch Sean Connery.

Lass uns nun auf Dich konzentrieren: Wie fandest du deinen Weg in eine Schauspielkarriere?

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Mit acht Jahren wollte ich Spionin werden. Aber durch Zufall wählte man mich als eines der Kinder für Art Linkletters berühmte Show Kids Say The Darndest Things aus. Und weil ich herausfand, dass ich jedes Mal, wenn ich in der Show war, nicht in die Schule musste, kostenlos mein Lieblingsessen (gegrilltes Käsesandwich und Orangenlimonade) bekommen und meine Mutti bei der Show zum Lachen bringen konnte, entschied ich, dass die Schauspielerei für mich das Leben sei.

Einer deiner Schauspiellehrer war Jeff Corey, ein wunderbarer Charakterschauspieler aus Hollywood. Er spielte mit Lex in dem deutschen Karl-May-Film Der Schatz der Azteken (1965). Was hast du besonders von Jeff gelernt?

Jeff Corey und Lee Strasberg waren meine beiden einflussreichsten Schauspiellehrer. Jeff lehrte mich die Kunst der Improvisation in der Schauspielerei... und wie ich meine eigene Exzentrizität in meiner Arbeit zum Ausdruck bringen konnte. Er half mir auch, meinen ersten Agenten in Hollywood zu bekommen, was mir natürlich half meine Karriere zu starten.

Das Theater ist eine deiner großen Liebe, wie ich weiß. Und du bist sehr bekannt für die Aufführung von Stücken von Tennessee Williams. Williams war von deinem Schauspiel (und dir) fasziniert. Hat er dir jemals erzählt, warum er dich so sehr in seinen Stücken mochte?

Karen mit Ed Harris in 'Sweet Bird of Youth', 1980

Karen mit Ed Harris in Sweet Bird of Youth, 1980

Er sagte, ich erinnere ihn an eine seiner besten Freundinnen, die große italienische Schauspielerin Anna Magnani. Er sah mich in seinem Rose Tattoo und gab mir die Rechte, solange er lebt, alle seiner Stücke zu produzieren. So produzierte und spielte ich in Sweet Bird of Youth mit Ed Harris, und so entstand mein Wunsch, alle von Williams' großartigen Frauen zu spielen. Wir wurden Freunde. Einst erzählte er mir, dass diejenige, die seine Frauen spielt, das gleiche innere Ringen wie er haben müsste... den Kampf zwischen dem Körper und der Seele. Er sagte, er sah dieses Ringen in mir.

Beim Blick in deine Filmografie steht gleich zu Beginn der Fernsehfilm The Hound Of The Baskervilles mit Stewart Granger. Welche Erinnerungen hast du an Granger und die Produktion?

Das war meine erste Fernsehrolle. Stewart Granger war, wie Lex, sehr charmant. Er schaute sorgsam nach mir und erzählte, dass ich seiner Ex-Frau Jean Simmons ähnlich sehe.

Karen mit Luciano Pavarotti, 1981

Karen mit Luciano Pavarotti, 1981

Du hast auch in Yes Giorgio mit Luciano Pavarotti gespielt. Wie war die Arbeit mit Pavarotti?

Luciano betete ich an. Er war so freundlich und großzügig zu jedem... besonders den Frauen. Wir drehten im prächtigen Napa Valley in Kalifornien. Er und ich teilten den gleichen Haar- und Make-Up-Wohnwagen. So fragte er mich jeden Morgen, als wir unser Make-Up bekamen, welchen Song ich hören wollte. Er nutzte diesen Song dazu, um seine Stimme für den Tag aufzuwärmen. Kannst du dir das vorstellen? Ich hatte jeden Morgen ein Privatkonzert mit dieser unglaublichen Stimme... was für ein Start in den Tag, nicht wahr?

Ja, großartig! — Einer deiner großen Theatererfolge war Master Class, wo du Maria Callas gespielt hast. Wie hast du dich als Schauspielerin auf eine solche Rolle vorbereitet? Auf einen solch gigantischen Charakter der Opernwelt...

Ich las jedes Buch über die Callas, der größten Schauspielerin der Oper. Ich hörte jede ihrer CDs... diese erhabene Stimme, ich schaute jede DVD... Dokumentationen und Aufführungen. Ich hatte auch das Glück, in Kontakt mit einer der Original-Meisterkurs-Studentinnen zu kommen, die sie an der Musikschule Julliard unterrichtet hatte. Diese Frau erzählte mir Dinge über Callas, die in keinem Buch standen... Wie sie durch Makuladegeneration allmählich blind wurde, auch dass sie schreckliche Probleme mit ihren Zähnen hatte. Und wie die Callas schrecklich unter dem Verlust von Onassis litt. Von dieser Studentin erfuhr ich eine Menge Geheimnisse... was meiner Vorstellung wirklich half, war die Erkenntnis, dass ein zerstörtes, gebrochenes Kind in dieser Diva lebte.

Du liebst aber auch Western. In einer Fernsehproduktion sah man dich als Kate Elder Holliday. Dein neues Buch wird ein Roman über eine Frau im alten Westen sein, die ihr Leben als Mann lebte. Kannst du uns etwas über diese Story erzählen?

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Portraitbild Karen zur Zeit mit Lex Barker

Sie ist inspiriert von der wahren Geschichte einer Frau, die den größten Teil ihres Lebens als Mann verkleidet lebte. Sie war eine berühmte Postkutschenfahrerin für Wells Fargo, Charlotte Darkey Parkhurst. Sie tötete einen bekannten Banditen, der mehrmals versuchte, ihre Postkutsche zu überfallen. Sie hatte auch den Mut, während des Amerikanischen Bürgerkrieges mit einem Schwarzen zu leben. Ich hoffe, das Buch verfilmen zu können. Mein ultimativer Traum wäre, wenn Clint Eastwood die Regie und Cate Blanchett die Hauptrolle übernähmen. Mir kam gerade der Gedanke — wer weiß, wenn Lex noch leben würde, so wäre er möglicherweise ein guter Regisseur geworden.

Oftmals hast du italienische Charaktere gespielt. Was denkst du über Lex in Das süße Leben?

Ja, wie jeder Schauspieler, war ich festgelegt. Ich schaue so italienisch aus, dass die Mehrzahl der Rollen, die ich spielte, italienische Frauen waren. Als junges Mädchen sah ich Lex in diesem Film zum erstenmal. Er war wild und wunderbar... und ich erinnere mich daran, dass ich mehr von ihm sehen wollte... ich fand ihn so interessant. Als ich ihn Jahre später kannte, erzählte er mir, dass Fellini zehn Stunden mehr mit einer Menge Szenen mit ihm gefilmt hatte. Das Meiste wurde später herausgeschnitten, da der Film schon so lang war. Ich würde gern wissen, wo diese Outtakes sind... Ich hoffe, dass sie nicht vernichtet wurden und dass sie irgendwo auf einem Regal sitzen, und darauf warten, entdeckt zu werden.

Was sind Deine nächsten anstehenden Projekte?

Es gibt ein wunderbares Filmprojekt mit Ed Harris in der Hauptrolle, das bald in Boston gedreht wird, sobald die Finanzierung steht! Was werde ich wohl spielen... eine italienische Mafia-Mutter. Fürs Theater hat mein Master Class-Regisseur Simon Levy vom Tennessee-Williams-Nachlass die Erlaubnis bekommen, einen von Williams' größten Romanen zu adaptieren. Wir hoffen die Premierenproduktion später im nächsten Jahr "Off-Broadway" aufführen zu können.

Dafür wünschen wir Dir viel Erfolg. Danke für das Gespräch.

Reiner Boller (2009)

Karen Kondazian


Einführung Biografie Filmografie Lebensstationen On Location Interviews Fotoalbum TV-Hinweise Links Impressum

E-Mail: rb@lex-barker.de

zurück zur Normalansicht

Stand:  02.11.2009

http://www.lex-barker.de/index.php?menu=kondazian