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Lex Barker
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Lex Barker

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Interviews mit Weggefährten

Marsha Hunt — Freundeskreis in Hollywood

Marsha Hunt

Marsha Hunt

Lex Barker wohnte nach seiner Rückkehr nach Hollywood Anfang der siebziger Jahre bei dem befreundeten Ehepaar Robert Presnell und Marsha Hunt. Er ein renommierter Drehbuchautor, sie eine Schauspielerin aus den "goldenen Jahren" von Hollywood.

Die 1917 in Chicago als Marcia Virginia Hunt geborene Schauspielerin zählte über viele Jahre zum Freundeskreis Barkers in der Filmmetropole, und ist noch heute eine sympathische, außergewöhnliche Gesprächspartnerin zum Hollywood-Film vergangener Tage.

Mit ihrem Talent, ihrer Wandlungsfähigkeit und dem stilsicheren Auftreten war Marsha Hunt, die nach ihrer Schulausbildung zunächst modelte, die perfekte Wahl für Hollywoods Filmstudios. Die glamouröse Schönheit fiel mehr noch als durch ihren Sex-Appeal durch ihre attraktive, intelligente Erscheinung auf. Sie spielte in den dreißiger und vierziger Jahren in über 50 Filmen Hauptrollen für die Studios Paramount und MGM an der Seite von Stars wie John Wayne, Robert Cummings, Van Heflin, Gilbert Roland, Mickey Rooney, Edward G. Robinson, Karl Malden oder Gregory Peck.

Dass Marsha Hunt heute nicht den Starruhm anderer Schauspielerinnen genießt, liegt wahrscheinlich daran, dass sie in der berüchtigten McCarthy-Ära in Hollywood auf die "schwarze Liste" geriet und ab den frühen fünfziger Jahren für einige Jahre keine Rollen mehr in Hollywood bekam. Dennoch ließ sich die engagierte und politisch interessierte Marsha Hunt aber dadurch nicht den Mund verbieten und steht mit ihrem couragierten Verhalten nach wie vor für moralische Werte.

Zu Marsha Hunts bekanntesten Filmen in Hollywood zählen die Western The Arizona Raiders (1936, nach Zane Grey) und Born To The West (Die Spielhölle von Wyoming, 1937, mit dem jungen John Wayne), die Jane-Austen-Verfilmung Pride And Prejudice (Stolz und Vorurteil, 1940, das Vorbild für die 2005er Neuverfilmung), das Gesellschaftsdrama Blossoms in the Dust (Blüten im Staub, 1941), der Fred-Zinnemann-Klassiker Kid Clove Killer (Der Gentleman-Killer, 1942), das aufrüttelnde, in Polen angesiedelte Kriegsdrama None Shall Escape (1944), das Liebesdrama The Valley Of Decision (Die Entscheidung, 1945), der Thriller Raw Deal (Flucht ohne Ausweg, 1948), die Komödie The Happy Time (Mein Sohn entdeckt die Liebe, 1952) und die Luftwaffenschau Bombers B-52 (1957).

Das nachfolgende Interview wurde 2008 geführt und wird erstmals veröffentlicht.

Marsha, Sie haben in dem neuen Film-Noir "The Grand Inquisitor" (2008) mitgespielt. Im Internet gibt es davon einen Trailer, und er macht sich sehr gut.

Wirklich? Du meine Güte! Tja, das ist eine vollkommen andere Art von Rolle für mich. Und der Film ist sehr Noir (=Schwarz). (lacht)

In den Vierziger Jahren waren Sie in klassischen Film Noirs zu sehen?

Nun, ich glaube so wird Raw Deal (1948) mit Dennis O'Keefe and Claire Trevor bezeichnet. Natürlich hieß das damals noch nicht Noir. Heute ein beliebter Film für die Fans.

So war "The Grand Inquisitor" doch ein kleines Comeback in dieser Art Film?

Offenbar. Ja. Es war eine Freude, den Film zu machen. Es gibt nur zwei Charaktere. Eine junge Frau und eine alte Frau. Und es ist eine sehr straffe, spannungsgeladene Geschichte. Sehr kurz. Die Leute bringen heute keine Kurzfilme in die Kinos. Ich glaube, es ist einfacher mit Filmfestivals oder vielleicht im Kabelfernsehen.

Sie waren in unterschiedlichen Zeiten in Hollywood tätig, insbesondere in der Ära des Studiosystems als Vertragsschauspielerin bei Paramount und MGM. Als Lex nach Hollywood kam, begann sich das Filmgeschäft schon ein bisschen zu ändern...

Nein, ich würde sagen, vielleicht in den Fünfziger Jahren. In den Vierzigern war es noch dominiert vom vorherrschenden Studiosystem. Nun ja, Sie wissen, es gab diese Periode mit Hollywoods schwarzer Liste und dieser ganzen Hysterie bezüglich des Kommunismus. Die ganze Industrie wurde davon erschüttert und die Menschen ergriffen Partei. Während der Fünfziger Jahre bekam das Fernsehen immer größeren Einfluss, in mehr und mehr Wohnungen hielt es Einzug. Die Filmindustrie beunruhigte das ein bisschen. "Oh, die Menschen gehen nicht mehr so ins Kino, wie sie es bisher taten", hieß es. Sie begannen, 3-D-Filme zu drehen und alles mögliche zu machen, was Aufmerksamkeit erzielte. Sie drehten große Ausstattungsfilme, wussten sie doch, dass auch das Fernsehen mit Tausenden von Schauspielern arbeitete. Sie versuchten alles, um das Publikum zu halten. Solche Veränderungen gab es zu der Zeit.

Ich glaube, dass es dem Studiosystem vielleicht letztlich ganz gut in den Fünfzigern ging. Es gab verschiedene unabhängige Filmproduktionen, bevor es sich wirklich veränderte und die Stars astronomische Gagen kassierten. Eintausend die Woche war ein sehr gutes Gehalt. 1.500 oder 2.000 Dollar, das war schon ein guter Aufstieg. Lange Zeit sprach niemand von Millionen-Gagen. Das war erst, als alles immer verrückter wurde.

Stars wie Kirk Douglas oder John Wayne gründeten ihre eigenen Filmkompanien in den 1950er Jahren.

Ja, Burt Lancaster begann seine eigenen Filme zu produzieren. So fing es an. Ich war nicht an diesen Dingen beteiligt, weil etwas mein Leben veränderte.

Ja, Ihre Probleme mit Hollywoods "Schwarzer Liste". Das änderte vieles in Ihrem Land...

Das tat es. Es betraf alle Aspekte des Lebens, die die Meinung der Menschen beeinflussen. Es begann mit den Filmen, denn sie machten die größten Schlagzeilen. Dann ging es weiter in die Presse und die Magazine, bis hin zu den Redaktionen. Dann traf es das Schulwesen, und natürlich die Rundfunksprecher gleich nach Hollywood, Radio und Fernsehen. Den Journalismus. Von da zum Bildungswesen, weiter sogar bis zur Religion. Und das sind die Aspekte, die die Denkweise der Menschen formen, wie sie wählen, und die Art, wie sie sich benehmen. Es war alles zusammen, eines kam zum anderen. Es war wie ein System, das irgendwo bewusst geplant worden war.

So ähnlich, wie sie heute über den Krieg schreiben. Es ist das selbe System...

Ja.

Zurück zu Ihren Filmen. Raw Deal stammte von dem unabhängigen Produzenten Edward Small.

Ich glaube nicht, dass ich Edward Small je begegnet bin. Aber er war ein unabhängiger Produzent, wie es eine Reihe davon gab. Nur eine Handvoll, nicht annähernd so viele, wie später kamen. Der Film folgte direkt auf den berühmten Flug der "10" nach Washington. Das war eine Gruppe Hollywood-Autoren und Regisseure, die zur "Hollywood 10" wurden. Sie wurden vorgeladen wegen Missachtung des Kongresses, da sie sich weigerten, Zeugenaussagen für das Komitee für Un-Amerikanische Aktivitäten (House Committee on Un-American Activities) abzugeben. Das oberste Gericht hielt die Anklage aufrecht, und die "10" kamen für ein Jahr ins Staatsgefängnis. Weil sie ihre verfassungsmäßigen Rechte verteidigt hatten! Aber es wurde "Missachtung des Kongresses" genannt.

Das war Ende Oktober, und ich machte Raw Deal im November. Gleich nach diesen Geschehnissen, während der Dreharbeiten, erhielt ich das Drehbuch für das Stück Joy To The World, das mich an den Broadway brachte und mein erstes professionelles Stück überhaupt wurde. Und es war mein Start am Broadway. Das ist nicht die richtige Art, um zu versuchen, ins Bühnenfach zu kommen, mit all den Scheinwerfern, die es in einem Broadway-Stück gibt. Aber ich las das Drehbuch während der Aufnahmen von Raw Deal. Ich erinnere mich an ein Mittagessen eines Tages, als die ganze Besetzung zusammen Mittagessen aß. Ich erzählte ihnen, dass ich gerade ein sehr lustiges Stück über Hollywood las, und dass man mir die Hauptrolle darin angeboten hat.

Ich spielte an der Seite von Alfred Drake, der der Star von Oklahoma war. Ich hatte die wunderbare Produktion gesehen, und es war sehr verlockend, mit einem solchen Talent zu arbeiten. Aber was für eine Art, Bühnenschauspiel zu lernen! Ich war nicht sicher, dass das Publikum mich überhaupt hören konnte. Auch war ich mir nicht sicher, ob ich mir drei Akte merken könnte. Für Filme lernt man nur den Dialog für einen Tag im Voraus. All diese Dinge gingen mir durch den Kopf, und dann fragte ich die anderen Mitglieder der Filmcrew: "Das ist sehr reizvoll, aber es macht mir Angst. Soll ich es versuchen?" Und sie sagten: "Magst du das Stück? Es ist eine gute Rolle. Mach es." Diese Art Zuversicht änderte mein Leben. Und ich glaube, der Grund, warum ich nicht viel zum Filmgeschäft in den fünfziger Jahren erzählen kann, ist, dass ich Theater spielte, weil ich dafür bestraft wurde, dass ich mich einsetzte und gegen das, was in Washington wie auch in der Filmindustrie passierte, protestierte. Ich reiste durch das ganze Land und spielte Repertoirestücke. Und machte weitere Theaterstücke am Broadway. Das war es, was ich anstelle von Filmen machte. Bühnenstücke bekamen nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Filmindustrie.

The Happy Time war ein weiteres Broadway-Stück...

Mir wurde die Rolle in diesem Stück angeboten. Ich hatte einen solchen Erfolg in meinem ersten Stück Joy To The World, dass ich in der nächsten Saison Drehbücher für 18 Stücke erhielt. Das war sehr schmeichelhaft. Unter diesen war The Happy Time. Ich fand es großartig! Ich liebte jedes Wort davon. Und ich wusste, es würde ein Hit. Und es wurde von Rodgers & Hammerstein produziert. Obwohl es kein Musical war, wollten sie es produzieren. In alles was sie machten, war ich verliebt. Aber ich schlug das Angebot aus. Ich erklärte ihnen, der Grund sei, dass die angebotene Rolle für mich die falsche Sache wäre. Ich hatte mit meinem ersten Stück eine solche Aufmerksamkeit und großartige Kritiken erzielt, dass mir klar war, die Leute würden sich Gedanken machen: "Was wird sie als zweites machen? Wie wird sie dieser ersten Rolle gerecht, die für sie so glücklich gewählt war?" Die angebotene neue Rolle war der beständige Charakter in dem Plot. Der einzige, der kein Gelächter abbekam. Das Stück handelte von einer französisch-kanadischen Familie, in der jeder charmant, lebhaft und sexuell überaktiv war. Einfach ein wunderbares französisch-kanadisches Stück. Und "Mama", wie sie sie nannten, war eine schottisch-presbyterianisch-kanadische Mischung, die nicht französisch war — sie war der Charakter, der versuchte, Beständigkeit in die Familie zu bringen. Ich bezeichnete sie als "eine beseelte Schürze", die Frau in der Küche, die die Dinge am laufen hält. Das war nicht so bunt und deshalb sagte ich: "Diese Rolle ist die Falsche für mich in meinem zweiten Stück am Broadway. Ich liebe das Stück, ich wünsche ihm Erfolg, aber ich kann es nicht machen."

Stattdessen machte ich Sachen, wie zum Beispiel ein George-Bernard-Shaw-Stück, The Devil's Disciple. Ein großer Erfolg, der mich 1950 auf das Cover des Life Magazins brachte. Das war eine glückliche und weise Wahl zugleich. Aber ich hatte das Gefühl, dass The Happy Time ein Hit werden würde — und es wurde einer! Ich kannte die Besetzung. Ich blieb der Show nah, auch wenn ich sie abgelehnt hatte. Dann boten sie mir die gleiche Rolle in der Filmversion an. Natürlich akzeptierte ich, denn ich liebte das Skript. Es gab mir die Gelegenheit, zusammen mit Charles Boyer zu spielen, den ich als Schauspieler verehrte. Ich denke, er war ein großartiges Talent. Alle waren das. Die ganze Besetzung: Louis Jordan, Bobby Driscoll. Alle waren wunderbar.

...und Linda Christian!

Marsha Hunt in 'The Happy Time'

Marsha Hunt, Charles Boyer, Linda Christian,
Bobby Driscoll in "The Happy Time"

Nun, ich hatte sehr wenige Szenen mit Linda. Die meisten ihrer Szenen waren mit den Männern. Wir trafen uns nur einige Male. Ich erinnere mich an eine Szene, in der wir zusammen waren. Das war sehr angenehm. Ich kann mich erinnern, dass Linda alle Schauspieler zum Abendessen einlud und wir Tyrone Power trafen. Sie war zu der Zeit mit ihm verheiratet. Ich sah sie kürzlich, vor einem Jahr in Palm Springs. Sie malt jetzt und kümmert sich um ihre Enkel.

The Happy Time ist in meinen Augen eine der besten Komödien dieser Zeit...

Das meine ich auch. Ich denke, es ist ein brillantes Werk. Ich war so froh, in einem Stanley-Kramer-Film zu sein — in einer seiner Produktionen. Getroffen habe ich Stanley Kramer nie, aber der Film hatte eine herrliche Besetzung.

Bombers-B-52 (1957) war einer ihrer anderen Filme in den Fünfzigern...

Ein Film mit einem größeren Budget. Das war Warner Bros., das einzige Studio für das ich zuvor nicht gearbeitet hatte. Ich hatte bis dahin Filme in jedem der großen Studios gemacht, mit Ausnahme von Warner. Ich weiß nicht, wie es kam, dass ich für diesen Film gefragt wurde. Es war wunderbar, mit diesen Kollegen zu arbeiten. Ich spielte Karl Maldens Ehefrau, und wir waren Natalie Woods Eltern. Und ich glaube, es war die erste romantische Hauptrolle im Film für Efrem Zimbalist Jr. Wir wurden gute Freunde. Mein Mann, Robert, und Efrem spielten Tennis zusammen.

Jeff Chandler spielte die Hauptrolle in The Plunderers (1960). Er starb während der Dreharbeiten...

Eine Misswirtschaft in seinem Krankenhaus, der Fehler eines Doktors tötete ihn. Jeff war ein reizender Mann. Einfach so lieb und so reizend bei der Arbeit mit ihm. Ich hatte schon vor The Plunderers mit ihm gearbeitet. Jahre davor, eine Dramatisierung von der Lincoln-Douglas-Debatte. Das war, als sich Lincoln für die Präsidentschaft bewarb. Norman Corman, der große Rundfunk-Autor, hatte ein Hörspiel der Dramatisierung gemacht. Wir machten davon eine Lesung. Ich spielte Ms. Douglas, Jeff Abraham Lincoln. Das war einfach eine rührende Erfahrung, diese Rollen zu spielen, während wir nur das Skript vorlasen. Das ist wirklich meine Haupterinnerung an Jeff. Ich habe ihn privat nicht gekannt. Ich kannte ihn nur von unserer Arbeit. Es war ein großer Schock, als er starb. Das war schwer zu akzeptieren. Ein großer, starker Mann war gegangen.

Sie spielten mit John Wayne in Born To The West / Hell Town (1937). Aber es gibt noch einen weiteren Wayne-Film, Legend Of The Lost (1957). Ihr Name taucht in einigen Credits zu dem Film auf.

Nein, Legend Of The Lost ist ein Drehbuch von Robert Presnell Jr. Ich glaube, sie schrieben es einige Male um, weil John Wayne wollte, dass seine Zeilen mehr nach John Wayne klingen sollten — einfache Sprache. Mein Robert schrieb ein wirklich schönes Drehbuch. Ich hatte nichts mit dem Film zu tun, mein Mann schrieb aber das Drehbuch.

Welche Erinnerungen haben Sie an Born To The West / Hell Town?

Hell Town ist ein lächerlicher Name. Jemand dachte, es sei ein besserer Titel als Born To The West, wie der Titel hieß, als wir den Film drehten.

Sie haben mir erzählt, dass John Wayne ein Größer-als-das-Leben-Held im richtigen Leben war...

Ein großer, netter Kerl, der Football an der USC gespielt hatte, Schauspieler wurde und eine Menge Western machte. Dann sah John Ford den Western, den ich mit John Wayne gemacht hatte, gerade als er Stagecoach produzieren wollte, der dann der Film wurde, mit dem Wayne ein großer Star wurde. Von da an war Wayne jemand. Er war eine große Erscheinung auf der Leinwand. Seine Partnerin, Claire Trevor, spielte ganz andere Rollen, als ich sie in diesen Tagen erhielt. In meinen Western bei Paramount spielte ich nur die romantische Hauptrolle. Es waren alles sehr nette Frauen und als Schauspielerin nicht besonders interessant zu spielen. Es gab da keine Herausforderung. Und als ich zu MGM ging, gab es farbige, unterschiedliche, herausfordernde und wunderbare Rollen von Anfang an. Mein erster MGM-Film war auch mein erster Selbstmord. Ein gutes Geschäft für Mayer. (Lacht) Ich glaube, ich hatte zwei Selbstmorde, bevor ich 24 oder 25 Jahre alt war. Auch spielte ich erstmals eine alte Lady, eine Altersrolle nach Pride And Prejudice, die meine erste Komödie war. MGM ließ mich eine wunderbare Zeit haben. Paramount machte mich zu einer Hauptdarstellerin, aber da gab es keine große Herausforderung.

Lässt sich daraus schließen, dass MGM größer war — mit mehr Sternen als der nächtliche Himmel...

Marsha Hunt zu ihrer MGM-Zeit

Marsha Hunt, Portrait während ihrer MGM-Zeit

Nun, es hatte tatsächlich den Löwenanteil (an Stars). MGM war der König des Dschungels. Aber Paramount hatte eine Reihe Stars, die genauso wunderbar waren, während ich dort war. Sie werden nie mehr wieder so groß und wunderbar sein, wie sie einst waren, aber sie hatten Bing Crosby. Jeder seiner Filme übertraf die Masse. Und Bob Hope stieß in den Jahren dazu, in denen ich in den Paramount-Studios arbeitete. Und es gab Stars wie Jack Benny, Mae West, Carole Lombard und Marlene Dietrich. Ein großer Star nach dem anderen; Gary Cooper ebenso wie Fred MacMurray. Paramount war in Bezug auf die Qualität der Stars in meinen Jahren praktisch genauso groß wie MGM.

Für MGM spielten Sie Charakterrollen...

Aber ich hatte auch eine Menge romantischer Hauptrollen. Ich machte von allem etwas. Sie waren alle wunderbar. Ich war sehr glücklich bei MGM.

Sie haben in der Originalfassung von Pride & Prejudice nach dem Roman von Jane Austen mitgespielt...

Schon während den Aufnahmen wurde uns klar, dass wir einen Klassiker drehten. Wir wussten, dass es ein erstklassiges Skript war, eine hervorragende Adaptation von Jane Austens Roman. Und erst die Besetzung — jeder von ihnen war superb, in jeder kleinen Rollen, jeder Hauptrolle. Es war einfach ein Privileg, ein Teil davon zu sein. Und diese reizende Charakterrolle der kurzsichtigen schlichten Schwester, eine der vier hübschen Schwestern, zu haben; und ein bisschen falsch zu singen. (Lacht) Das alles war wunderbar.

In einigen Ihrer Filme hatten Sie schon gesungen...

Oh ja, ich war eine Nachtklubsängerin in zwei Filmen. Alles in allem, glaube ich, sang ich in sechs Filmen. Zwei von ihnen waren für Paramount, und vier für MGM. Zum Beispiel in Unholy Partners (1941), Lost Angel (1943) oder Music For Millions (1944).

Hatten Sie speziellen Gesangsunterricht?

Nein. Ich habe die Arrangements mit dem Musiker gelernt, der auch die Filmmusik schrieb. Es gab keine Instruktionen, aber ich sang gerne, und ich glaube, ich sang ziemlich gut. Wenn ich keine Schauspielerin geworden wäre, hätte ich vielleicht versucht, Sängerin zu werden. Ich bin sehr musikalisch und meine Mutter war eine professionelle Musikerin. Ich wuchs auf mit Operngesang im Wohnzimmer. Meine Mutter war eine Stimmlehrerin und musikalische Begleiterin. Ihre Musik hingegen war klassisch und meine waren immer populäre Balladen.

Wer hat Sie für den Film entdeckt?

Marsha Hunt

Publicity-Aufnahme für Paramount.
Marsha Hunt dazu: "An einem Tag fotografierte man mich während einer Aufnahmesession mit einer Reihe verschiedener Hunde im Rahmen einer 'Still Gallery'. Bei dem Hund handelte es sich aber nicht um Lassie, denn der war bei MGM unter Vertrag."

Eine Reihe von Fotografen. Ich habe im ersten Jahr nach meinem High-School-Abschluss gemodelt. Statt aufs College zu gehen, besuchte ich die Theaterschule. Während ich in New York lebte, arbeitete ich zeitweise als Modemodel für John Powers. Hauptberuflich war ich Studentin an der Schule, aber zwischendurch bekam ich immer wieder Jobs, um zu posieren oder an Modeschauen teilzunehmen. Ich fühlte mich wohl dabei, Kleider zu modellieren und ich glaube, so begann es. Bei Paramount posierte ich auf vielen Modefotos, die dabei halfen, Werbung für meine Filme zu machen. Ich machte im Jahr sechs Filme für Paramount, und dafür musste geworben werden. Jeden freien Tag machte ich eine Serie von Modefotos. In den Filmen trug ich wunderschöne Kleider. So wurde ich auch in den Fanmagazinen und Zeitungen dargestellt — ich trug immer etwas Wunderschönes. Und ein Untertitel meinte dazu: "Paramounts Schauspielerin zu sehen demnächst in..." ...mit dem Titel des entsprechenden Filmes.

Sie haben ein Buch über diese Ära gemacht: The Way We Wore — Styles Of The 1930s And '40s...

Diese Fotoaufnahmen und Bilder von MGM gaben mir das Material für mein Buch. Ich brachte Hunderte von Fotos ein — 514 insgesamt. Und das sind nur die, die ich ausgesucht habe. Erstaunlicherweise blieben sie frisch und in gutem Zustand.

In These Glamour Girls (1939) spielten Sie mit Lana Turner.

Das war Lanas allererste Hauptrolle, neben Lew Ayres. Es ging um eine Party in einem Wochenendhaus in Princeton, aber wir nannten es Kingston College. Ich spielte die Rolle, die für eine alte Jungfer im Alter von 23 Jahren gehalten wurde, die verzweifelt versuchte, die richtige Ehe zu finden — und das ein bisschen zu laut. Dann verübte mein Charakter Selbstmord... Lana war reizend. Sie arbeitete hart und aufrichtig. Das war damals die größte Sache, die sie bislang machen durfte. Und sie war so glänzend. Damals gab es keinen Klatsch über sie. Sie war nur ein sehr hübsches Mädchen, das hart arbeitete, um seinen Durchbruch zu machen.

Blieben Sie in Kontakt mit Lana, nachdem sie und Lex Barker heirateten?

Nein, ich habe Lana, nachdem ich MGM verließ, nie mehr wieder gesehen. Außer bei einem großen Ereignis. Wir plauderten kurz und tauschten Freundlichkeiten aus. Danach verloren wir den Kontakt.

Haben Sie auch Arlene Dahl getroffen?

Auch wenn ich Arlene Dahl noch nicht traf, hörte ich, sie sei eine bezaubernde Person. Ich glaube sie kam zu MGM, als ich das Studio gerade verlassen hatte.

Zu weiteren Filmen mit Ihnen: Flight Command (1940) mit Robert Taylor...

Oh, an die Dreharbeiten erinnere ich mich nicht mehr. Meine Rolle war sehr klein und nur eine kurze Szene. Ich lernte ihn kennen, als er, Jean Harlow und ich, nur wir drei, zum Geburtstagsball von Präsident Roosevelt nach Washington D.C. flogen. Dann habe ich noch eine Episode von Robert Taylors Fernsehserie gemacht. Waren Lex und Robert Freunde?

Ja, waren sie. Beide waren sehr attraktive Schauspieler...

Ja.

Einige Ihrer Filme laufen sogar gelegentlich im deutschen Fernsehen, beispielsweise Blossoms In The Dust (1941)...

Mein zweiter Selbstmord.

...und Unholy Partners (1941) mit Edward G. Robinson...

Das ist der Film, in dem ich eine Nachtklubsängerin war.

...und Kid Glove Killer (1942).

Marsha Hunt und Van Heflin

Marsha Hunt und Van Heflin in Kid Glove Killer

Ein Film, den ich sehr mag — mit einem großartigen Skript. Das war Fred Zinnemanns erster Spielfilm als Regisseur. Davor machte er nur Kurzfilme. Mit Van Heflin hatte ich zuvor schon bei mehreren Gelegenheiten gearbeitet. Lee Bowman war ein weiterer Hauptdarsteller. Ein aufregender Film und ich spielte die romantische Hauptrolle. Ich arbeitete im Kriminallaboratorium der Polizei; Van Heflin spielte den Polizei-Chemiker. Ich bin seine Assistentin und verliebt in Lee Bowman.

The Affairs Of Martha (1942)...

Mein erster Film mit Regisseur Jules Dassin. Er brachte mich auch an den Broadway. Ich wusste, bei ihm war ich in guten Händen. Bis zu seinem Tod 2008 waren wir gute Freunde. Über die Jahre standen wir immer in Briefwechsel und als er zurück nach Hollywood kam, trafen wir uns. Ich besuchte ihn in New York; kannte auch seine Frau. Wir schenkten den Dassin-Kindern einen Hund — wir waren wirklich gute Freunde. Tatsächlich war er einer der wenigen Regisseure, die wirklich lenkten. Die Anderen inszenierten jede Szene, montierten den Film und überließen den Schauspielern das Spiel. Ich bekam sehr wenige Anweisungen in all den Filmen, die ich machte. Regie wurde in diesen Tagen nur auf der Bühne geführt. In den Filmen sagten sie dir, wo du stehen, wann du gehen, was gemacht werden muss. Die Darstellung war aber deine eigene Arbeit. Du hast deine Darstellung zu Hause vorbereitet. Du hattest dein Spiel fertig, wenn du zur Arbeit kamst. Ich habe nur sehr wenig Schauspielregie gesehen.

None Shall Escape (1944)...

Das war eine sehr starke Rolle für mich. Und es war die Rolle einer Anti-Faschistin. Mein Part war der einer jungen polnischen Lehrerin namens Marja Pacierkowski, ungefähr 30 Jahre alt. Es ist nicht mein Lieblingsfilm — ich habe keinen — aber es ist einer, auf den ich sehr stolz bin. Wir drehten ihn 1943, mitten im zweiten Weltkrieg. Zu der Zeit war es nicht sicher, wer den Krieg gewinnen würde. Ich glaube, dass war der erste Film der aktuelle Greueltaten gegen die Juden bloßstellte und auch den Prozess über die Kriegsverbrechen der Nazis richtig vorhersagte. Es handelte sich um eine außergewöhnliche Geschichte von Lester Cole, der einige Jahre später ein Mitglied der "Hollywood 10" wurde — dieser Gruppe, die dem Komitee für Un-Amerikanische Aktivitäten mit ihren Untersuchungen über ihre politischen Überzeugungen die Stirn boten. Aber er war auch einer der Gründer der Vereinigung der Drehbuchautoren. Coles Familie waren polnische Immigranten. None Shall Escape war ein erstaunlicher Film. Er war so kompliziert. Sie bauten ein komplettes Dorf entlang der Straße zum Flughafen in Burbank, am Hollywood-Weg, auf der Columbia-Ranch. Ich musste für meine Rolle Fahrrad fahren. Ich bin zuvor in meinem Leben nie Fahrrad gefahren. Nun, ich wuchs auf in New York City. Aber ich schaffte es in einer Aufnahme. Später gab ich eine Geburtstagsparty am Set und bekam eine Trophäe für das Fahrradfahren überreicht. Ich habe sie immer noch.

Was war schwieriger — Fahrrad fahren lernen oder Reiten?

Nun, ich kann mich erinnern, als ich mein erstes Pferd ritt. Ich glaube nicht, dass ich irgendein Problem damit hatte. Aber meine erste Fahrradfahrt war purer Schrecken.

The Valley Of Decision (1945)...

Eine großartige Besetzung! Die Story basierte auf einem Roman von Marcia Davenport, und handelte von einer großartigen Stahl-Familie. Ein prächtiger Film.

Einer ihrer Co-Stars war der junge Gregory Peck.

Wir alle genossen es, mit ihm zu arbeiten. Er charakterisierte seine Rolle sehr gut.

Es gab einen weiteren unvergesslichen Schauspieler, der einen Minipart in einem ihrer Filme spielte — Gary Cooper.

Ich wünschte, ich hätte eine Szene mit ihm gehabt.

Der Film hieß Hollywood Boulevard (1936)...

Er machte ihn. (Lacht) Aber es war kein Part, er stand nur im Hintergrund. Ich erinnere mich, dass einige große Stummfilm-Stars in ähnlichen Situationen zu sehen waren. Ich spielte die weibliche Hauptrolle neben Robert Cummings. Für Paramount spielte ich romantische Hauptrollen gleich vom Start weg. Robert war viermal mein Partner.

Johnny Got His Gun (1971) ist ein kraftvoller Antikriegsfilm, in dem Sie die Mutter des Soldaten spielten...

Wissen Sie, Dalton Trumbo, der das Drehbuch geschrieben hatte und Regie führte, hatte nie zuvor die Regie inne. Der Film geriet zu lang. Er musste drei Stunden davon schneiden. Und er rief mich an und entschuldigte sich, weil er schnitt, und sagte: "Ich hätte dem Cutter mehr Kontrolle überlassen sollen, denn ich habe viel mehr gefilmt, als ich brauche oder haben sollte." Und er sagte: "Ich musste drei Stunden herausschneiden — das meiste ist deine Rolle — um dem Ganzen mehr Sinn zu geben und mich auf die Hauptstory zu konzentrieren. Viel von Johnnys Erinnerungen an seine Kindheit, mit dir als Mutter, mussten herausgenommen werden. Dafür entschuldige ich mich."

Vor kurzem sah ich den Film. Ich habe mich kaum darin gefunden. Mein Part ist tatsächlich zu einer Kleinrolle reduziert worden — wenn man mich überhaupt sieht. Sind Sie nicht auch der Meinung, dass der Film es kaum wert ist, (bei mir) erwähnt zu werden? Es ist so wenig von mir verblieben. Es ist ein wichtiger Film. Aber er ist nicht sehr gut. Ein wunderbares Antikriegs-Statement. Ich hasse Krieg mehr als alles andere auf diesem Planeten. Das einzige, das ich wirklich hasse, ist Krieg. Und ich bin so froh, dass er ihn machte, dass er ihn schrieb. Ich bin so glücklich, einen Anteil daran zu haben. Aber ich bin kaum in ihm. Trotzdem habe ich es verstanden. Ich mache ihm keine Vorwürfe.

Was für Erinnerungen haben Sie an ihren Filmpartner Buster Crabbe? Er spielte auch Tarzan.

Wir machten zwei Western zusammen. Er war sehr nett — freundlich, arbeitete hart. Es hat Spaß gemacht, eine Westernheldin in den Zane-Grey-Filmen zu spielen. Wir filmten in Plätzen wie Big Bear.

Der Deutsche Kurt Kreuger spielte ebenfalls in None Shall Escape; er war Pate von Lex Barkers Sohn Zan...

Ja, er war ein ansehnlicher Mann. Wir trafen uns, obwohl es einfach nie eine Chance für private Verabredungen gab, auch gab es keine gemeinsamen Mahlzeiten während der Dreharbeiten.

Rückblickend zu Lex Barker...

Er erzählte mir, ich wäre wie eine Schwester für ihn. Es war angenehm mit ihm zusammen zu sein und er war sehr sympathisch. Ein wunderbarer Athlet. Das war Lex.

Lex hat oft Zeit in ihrem Haus mit ihrem Mann verbracht?

Es war im Arbeitszimmer, dem großen Raum mit dem Hirschkopf über der Feuerstelle und den riesigen Sofas. Dort verbrachten wir die meiste Zeit mit Lex. Und die Gespräche gingen bis in die frühen Morgenstunden, denn meist vertieften sie sich in ein Thema und saßen und sprachen die Nacht durch. Ich weiß noch, dass sein Agent herüberkam und mit ihm Backgammon spielte. Lex war ein begeisterter Backgammon-Spieler. Nicht mit Robert, denn er arbeitete tagsüber an seinen Drehbüchern. Er hatte nicht viel freie Zeit. Aber es gibt herzerwärmende Erinnerungen mit Lex.

Vielen Dank für das Gespräch.

Reiner Boller (2008 und 2009)
(Mitarbeit: Marlies Bugmann)



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E-Mail: rb@lex-barker.de

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Stand:  29.11.2009

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