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Lex Barker
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Lex Barker

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Interviews mit Weggefährten

Arlene Dahl

Lex Barker mit Arlene

Insgesamt fünf Ehen führte Lex Barker. Obwohl die zweite Eheschließung mit seiner Kollegin Arlene Dahl zur kürzesten gerät, kann die Beziehung keinesfalls als unglücklich bezeichnet werden. Die Karrieren der beiden Hollywood-Stars und das sich verändernde Studiosystem der 1950er Jahre in Hollywood lassen kein längeres Familienglück zu.

Die tizianrote Arlene Dahl zählt zu den attraktivsten Schauspielerinnen der Filmstadt, Werbeslogans bezeichnen sie als "die schönste Frau, die jemals im Film zu sehen war." Ihre Fähigkeiten begrenzen sich allerdings nicht nur auf (oberflächliche) Schönheit auf Leinwand, Bildschirm und der Bühne. Neben bislang 18 Büchern zeichnet sich die vielseitige Künstlerin und mehrfache Mutter durch ihre Kolumnen zu Themen wie Schönheit und Astrologie für Tageszeitungen, sowie ihr Talent, auch eigene Geschäfte abseits des Filmbusiness führen zu können, aus.

Aufgewachsen ist Arlene Dahl in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota. Ihre Mutter und ihr Vater sind gebürtige Norweger, und Arlene spricht und liest die Sprache. In jungen Jahren kommt sie zum Radio in ihrer Heimatstadt, dann über Chicago nach New York. Durch die Mitwirkung in einem Broadway-Musical wird Arlene Dahl für den Film entdeckt. In Hollywood sieht man sie in Filmen an der Seite von Van Johnson, Dennis Morgan, Red Skelton und Robert Taylor, Rock Hudson, Bob Hope und Fernando Lamas. Sie beeindruckt die Regisseure mit ihrem komödiantischen Talent, zudem ist sie überaus fotogen.

Heute ist sie gesellschaftlich in New York aktiv und schreibt derzeit auch an ihrer für das nächste Jahr (2008) geplanten Autobiografie.

Das nachfolgende Interview wurde 2007 geführt und wird erstmals veröffentlicht.

Frau Dahl, Sie und Lex Barker waren Teil dieses "klassischen Hollywood", des Studiosystems. Wenn Sie heute zurückblicken, welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

Hollywood war zu der Zeit glorreich - herrlich, strahlend und zauberhaft. Das Studiosystem verwöhnte die unter Vertrag stehenden Schauspielerinnen und Schauspieler. Metro Goldwin Mayer (MGM) war, natürlich, der Marktführer. Sie verwöhnten alle ihre Vertragsschauspieler, und alle der Stars und Co-Stars. Lex stand, glaube ich, bei RKO unter Vertrag. Lex wurde von einem kleineren Studio verwöhnt.

Lex mit Arlene

Es gab Berichte, die behaupteten, dass MGM den Vertrag mit Ihnen löste, weil Sie Lex Barker heirateten...

Nein, absolut nicht. Der Bruch mit MGM kam, weil mein Mentor L. B. Mayer 1951 das Studio verließ. Dore Schary ersetzte ihn. Und Schary war in Hollywood für seine "realistischen Sozialdramen" bekannt. Er kam von RKO. Er war ein Autor und machte Schwarzweißfilme. Cinemascope- und Technicolor-Filme wie auch Musicalstoffe waren keine Bestandteile seines Genres. Ich machte drei Schwarzweißfilme, die, wenn es nach Mayer gegangen wäre, ich nicht hätte machen sollen. Dore Schary steckte mich allerdings in diese Filme. Ich bat meinen Agenten, mich aus dem Vertrag herauszubringen. Das tat sie dann auch. Das alles überschnitt sich mit meiner Hochzeit mit Lex. Als ich 1951 aus den Flitterwochen mit Lex zurückkehrte, war Mayer bei MGM gefeuert worden.

Zurück zu Ihren Anfängen. Sie kommen aus Minnesota. Haben Sie eine künstlerische Ader?

Ich war schon immer daran interessiert, andere Leute zu porträtieren, einschließlich mich selbst. Schon von Kindertagen an.

Bezüglich Ihrer Schauspielanfänge gab es die Gruppe "Hollywood Review"...

Die Frau, die bei uns damals lebte und unser Dienstmädchen war, interessierte sich ebenfalls für die Künste. Ich nahm zu der Zeit Tanz- und Gesangsunterricht. Sie steckte die Mädchen, die mit mir tanzten und sangen und mich in eine Gruppe namens "Hollywood Review". Wir arbeiteten an Wochenenden, in verschiedenen Clubs, um ein bisschen Taschengeld zu verdienen.

Wie ging es weiter?

Samstags trat ich mit einem kleinen Jungen meines Alters in einer Radioshow auf. Die Sendung hieß Doktor Bob. Wir "besuchten" verschiedene Plätze in der Welt und das Publikum liebte die Sendung. Außerdem nahm ich an Schulaufführungen teil, und in Musicals. Dann ging ich nach Chicago, wo ich als Model arbeitete.

Ihre Eltern waren gebürtige Norweger...

Ja, aber sie trennten sich und als Mutter starb, zog ich wieder zu Vater. Ich absolvierte die höhere Schule als ich 15 Jahre war und wollte auf die Universität von Minnesota gehen. Als Vater erneut heiratete, wollte meine Stiefmutter mich nicht um sich haben. Sie ermöglichte es mir, nach Chicago zu gehen. (lacht) Dort arbeitete ich als Model und wohnte mit drei Kameradinnen zusammen. Sie arbeiteten wie ich in der Sportsman Show in Minneapolis. Ich war ein Model in Chicago für einen oder zwei Monate, und dann eine Assistenz-Einkäuferin. Mein Chef war es schließlich, der mich das erste Mal nach New York als Einkäuferin brachte. Während meiner Reisen nach New York hatte ich einige freie Zeit. Ich kaufte eine Zeitschrift, Variety, die über die Musicals am Broadway schrieb. Das interessierte mich sehr, hatte ich doch auch Musicals und Gesang am College in Minneapolis studiert. Und so versuchte ich mein Glück. Einfach ins Blaue hinein. (lacht) Ich weiß nicht, was mich damals veranlasste, das zu machen. Aber ich machte es. Ich entschied die Chance zu nutzen. Ich war in New York, warum nicht? Ich sang vor... und ich bekam die Rolle. Eine richtige Rolle in dem Musical Mr. Strauss goes to Boston am Broadway.

Und da wurden Sie für den Film entdeckt...

Jack Warner entdeckte mich. Ich kam für einen Filmtest zu Warner Bros. nach Hollywood, nachdem mich Jack Warner am Broadway in der Premiere des Musicals entdeckte. Ich erhielt einen sehr interessanten Part, in dem ich wieder singen sollte.

Hollywood wollte Sie besonders in Farbfilmen bringen, damit Ihre roten Haare bestens zur Geltung kommen...

(lacht) Ja, L. B. Mayer wollte mich in seinem Studio auf keinen Fall in Schwarzweiß filmen lassen. Die meisten meiner Filme waren deshalb in Technicolor.

Ganz am Anfang in Ihrer Filmografie steht Life With Father (1947)...

Nein, das stimmt nicht. Ich glaube Warner Bros. wollte mich gleich nach Vertragsabschluss in einen Film stecken, um anzuzeigen dass ich bei ihnen unter Vertrag stehe und das sollte Life With Father sein. Aber Jack Warner sagte: "Nein, ich will sie nicht darin haben. Ich will sie in einem größeren Film vorstellen, in Technicolor." Der Film war dann My Wild Irish Rose. Drei Monate nach Vertragsunterzeichnung spielte ich die Hauptrolle, die Rose, in My Wild Irish Rose (1947).

Sie begannen gleich mit einer Hauptrolle?

Ja, ich debütierte gleich als Schauspielerin an der Seite von Dennis Morgan. In Life With Father spielte ich nicht mit.

Wie war der Kontakt zu Jack Warner?

Das war einzig ein Geschäftskontakt. Er hatte keinen gesellschaftlichen Kontakt mit den Schauspielern seines Studios. Erst später, als ich bei MGM unter Kontrakt stand, erhielt ich eine Einladung zum Abendessen in sein Haus.

Man sah Sie aber in dieser Zeit nicht nur in Farbfilmen. Ambush (Die letzten von Fort Gamble, 1949) beispielsweise war ein Western in Schwarzweiß.

Das stimmt, aber danach sagte Mayer, er würde nach Technicolor-Filmen für mich Ausschau halten. Ambush war der letzte Film des Regisseurs Sam Wood. Er starb kurz danach. Die Außenaufnahmen dieses Filmes waren sehr schwierig. Und er war kein junger Mann mehr zu diesem Zeitpunkt. Es wurde in Utah gedreht. Ich ging aber nicht mit zu den Außenaufnahmen. Ich drehte nur im MGM-Studio.

Sie spielten zusammen mit Robert Taylor. Welche Erfahrung war das für Sie?

Oh, es war fantastisch. Er war ein solch wunderbarer Gentleman. Ich erzählte ihm, dass ich zwei Jahre zuvor, als ich noch auf die High-School ging, an MGM geschrieben hatte und um ein Bild mit Autogramm bat. Jetzt spielte ich die Hauptdarstellerin an seiner Seite. Wir beiden lachten sehr darüber. Am nächsten Tag standen in meinem Ankleideraum zwei Dutzend gelbe Rosen, meine Lieblingsblumen, und ein schönes Foto von ihm mit sehr gefühlvollen Worten in einem echten silbernen Rahmen.

Ein weiterer guter Schritt auf der Erfolgsleiter war das Musical Three Little Words (Drei kleine Worte, 1950)...

Ja, das war eine sehr schöne Sache. Ich glaube, Fred Astaire hatte eine Menge damit zu tun. Seit dem Musical am Broadway hatte ich nicht mehr gesungen. Eigentlich dachte ich, dass ich in meinem ersten Film für Warner Bros. singen würde, aber wer sang, war nur mein Partner Dennis Morgan. So wurde Three Little Words mein erstes Musical nach dem Verlassen des Broadways.

Sie haben einige schöne Songs wie "I Love You So Much" oder "You Smiled at Me". Waren die Musicals für Sie immer etwas Besonderes?

Ich wollte eigentlich eine Musicalkomödien-Darstellerin am Broadway werden. Als das nicht möglich war, ergriff ich die Gelegenheit im Film, denn ich konnte singen und tanzen. Ich trat auch am Palace-Theater am Broadway auf. Letztlich wurde mein Traum, den ich als Kind in Minnesota hatte, schließlich noch wahr.

Nach Ihrer MGM-Zeit haben Sie in vielen bunten Abenteuerfilmen wie Carribbean (Die Geliebte des Korsaren, 1952), Sangaree (Sangaree, 1953) oder Jamaica Run (Weiße Herrin auf Jamaika, 1953) mitgewirkt...

Es traf mich sehr, als L. B. Mayer MGM verließ. Schließlich war er mein Mentor. Ich fragte meinen Agent, einen fantastischen Agent in Hollywood, mich aus dem Vertrag zu lösen und er verschaffte mir einen über drei Filme bei Paramount.

Entstanden diese exotischen Abenteuer für Sie gänzlich in Hollywoods Studios?

Genau. Mein einziger Außendreh war der Western The Outriders (Blutiger Staub, 1949) an der Seite von Joel McCrea mit Aufnahmen in Kanab/Utah. Unglücklicherweise kamen bei den Paramount-Produktionen nur die Kameramänner für die Aufnahme des Hintergrundes an diese schönen Plätze, die Schauspieler blieben in Hollywood.

Sicherlich können Sie einige Anekdoten vom Dreh dieser Filme erzählen?

Das könnte ich, aber die behalte ich für meine Autobiografie, die ich momentan schreibe.

Das ist verständlich. Freuen wir uns auf Ihre Memoiren. Wissen Sie, dass diese Paramount-Filme immer noch im deutschen Fernsehen laufen?

Ich bekomme eine Menge Fanpost aus Deutschland, aber auch aus Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Und natürlich aus Südamerika.

Erwähnen diese Briefe auch Lex Barkers Namen?

Absolut. Oft lese ich, dass wir das "ideale Paar" waren.

Eine Schlagzeile über Sie in den 1950er Jahren lautete: "Die schönste Frau, die jemals im Film zu sehen war"...

Ich weiß nicht, wer das in die Werbung oder in die Zeitungen brachte. Das ist nicht, was ich dachte...

Es ist aber schon viel Wahrheit in diesem Satz...

Nun ja, es hört sich schön an. Und ich glaube das nicht! Aber es ist ein sehr schönes Kompliment.

Was können Sie über Ihre männlichen Filmpartner sagen, z.B. Bob Hope?

Mit ihm machte es großen Spaß zu arbeiten, sehr unterstützend. Er erklärte mir, wie man ein "Katzen-Nickerchen" nimmt und versuchte alle die spaßigen Geschichten an mir. Er hatte eine Fernsehserie und verwendete die Späße. Und dann erzählte er mir, wie man sich zwischen den Szenen richtig erholt. Er sagte: "Ich schlafe nachts nicht gut, deshalb lernte ich das mit den Katzen-Nickerchen." Ich fragte ihn: "Was ist ein Katzen-Nickerchen?" Wir saßen nebeneinander in unseren Stühlen am Set. Er lehrte mich: "Du musst nur die Augen schließen. Deine Arme ruhen auf den Stuhllehnen, die Beine streckst du aus." Es war wie eine Yoga-ähnliche Trance, in die er sich begab. "Relaxe." Er beschrieb, wie er sich auf seine Beine konzentrierte, und dann seine Konzentration auf seinen Körper wechselte. Er ließ seinen Körper relaxen, ließ die Spannung heraus, und war eingeschlafen. Der Regieassistent weckte ihn fünf Minuten, bevor er wieder am Set gebraucht wurde. Er lehrte mich diese übungen. Ich kann ein kurzes Nickerchen nehmen, fünf oder zehn Minuten, und fühle mich jünger. Das ist, was ich von Bob Hope lernte.

Interessant. Was fällt Ihnen zu Rock Hudson ein?

Er war wie ein Bruder, den ich nicht hatte. Er besaß schwedische Wurzeln. Wir sprachen oft, natürlich außerhalb des Sets, auf Skandinavisch, hoch und runter und hoch und runter, und mit einem Akzent. Er besaß einen wunderbaren Sinn von Humor. Wir lachten sehr oft am Set unseres gemeinsamen Filmes Bengal Brigade (Gewehre für Bengali, 1954).

Sind Sie eigentlich auch John Wayne begegnet?

Oh, natürlich! Er war sehr freundlich. Er hatte diese gedehnte Sprechweise, die er nicht nur in den Filmen verwendete. Auch im wirklichen Leben sprach er auf diese Weise.

Es ist bekannt, dass Sie und Lex Barker mit Gary Cooper und dessen Frau Rocky sehr eng befreundet waren...

Das stimmt. Rocky war sehr sportlich. Ich sah mein erstes Tennisspiel mit Rocky und Lex. Das war auf einem Tennisplatz in Studio-City.

Wer noch in Hollywood war ein Freund?

Fred Astaire war ein guter Freund, auch Clark Gable und Joan Fontaine. Ich werde über alle in meinem Buch schreiben.

Nach Lex Barker heirateten Sie mit Fernando Lamas einen weiteren Kollegen. Sicherlich war sein Temperament ganz anders als das von Lex, kam er doch aus Südamerika...

Ja, er war bekannt für seine Schwülstigkeit und sein Temperament. Aber Lex war nicht völlig anders. Auch er besaß Temperament. Aber unterschiedlich. Es dauerte jedoch bis er wild wurde. Aber wenn er es wurde, dann "besuchte er Mars und Jupiter". Danach war alles vergessen. Es brauchte bei ihm nur eine kurze Zeit, um zu vergessen und zu vergeben. Fernando mochte hingegen zuknallende Türen.

Haben Sie mit Fernando auch seine Heimat Argentinien besucht?

Nur zusammen mit seinem Sohn Lorenzo und meiner Tochter Carole. Fernando war in seinem Land nicht mehr erwünscht. Er hatte eine Affäre mit Eva Peron, der Frau des Diktators. Eine kurze Affäre, denn als Evas Ehemann das herausfand, duldete er ihn nicht mehr im Land. Fernando kam zu MGM für einen Filmtest, den ich mit ihm machte. Sie entschieden ihn zu verpflichten. Ansonsten wüsste ich nicht, wo er hingegangen wäre. Vielleicht nach Mexiko.

Es gibt einen interessanten Beitrag mit Ihnen in der Fernsehreihe Lux Video Theatre: Casablanca...

Das stimmt. Ursprünglich entstand das für Co-star Records. Ich spielte den Part, den Ingrid Bergman im Kinofilm innehatte.

In den Jahren 1956 und 1957 drehten Sie zwei Filme in England. Wie kam es dazu?

Das war zu der Zeit, als viele US-amerikanische Schauspieler in Europa filmten. Das hatte steuerliche Vorteile, weshalb viele von uns diese Möglichkeit nutzten, um gutes Geld zu verdienen.

Ihre beiden Filme waren exzellente Krimis...

Ja, mit den besten Regisseuren. Ich glaube in dem ersten englischen Film, Wicked As They Come (Keiner ging an ihr vorüber), spiele ich meine beste Rolle, die ich jemals in einem Film hatte. Beide Filme waren aber wiederum in Schwarzweiß. In Europa glaubte man damals noch nicht so sehr an Farbe. Es waren Krimis... sie wollten diese in Schwarzweiß drehen.

Mit Journey To The Center Of The Earth (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 1959) wirkten Sie in einer Großproduktion mit...

Für diesen Film ging es drei Monate zu Außenaufnahmen in "das Zentrum der Erde" nach New Mexiko, in den Carlsbad Caverns National Park. Meine Partner waren nicht nur James Mason und Pat Boone, sondern auch Gertrude, eine Ente, die gleich zwei Vertreter hatte. Die Enten wurden immer schnell müde, so dass wir dann immer eine andere nehmen mussten. Die Zeit in New Mexiko war nicht einfach für mich. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war mein Sohn Lorenzo erst sechs Monate alt. Er konnte natürlich nicht mitkommen, ich ließ ihn deshalb in der Obhut eines Kindermädchen, die eigentlich unsere Köchin war, zurück. Mir war es natürlich nicht lieb, dass ich mein Kind zurücklassen musste. Ich hasste das. Natürlich blieb ich über Telefon in Kontakt, aber das war damals nicht so leicht wie heute. Und es ist nicht dasselbe! Die Dreharbeiten waren außerdem nicht einfach. Es war schmutzig, und schwierig jeden Tag zum "Zentrum der Erde" hinab zu steigen. Und dann wieder den Berg hoch — es erschien wie ein Berg vom "Zentrum der Erde" heraufzukommen. Und beinahe hätte ich mein Leben verloren — ich bekam einen Schlag von diesen großen Wasser-"Spülern". Das war, als wir zurück im Studio von 20th Century-Fox eine Szene drehten. Sie hatten 25 oder 50 Gallonen Wasser in einem Tank zusammengefasst. Da sollte mein Part einen riesigen Wasserstrahl auf den Rücken bekommen und kräftig durchgewaschen werden. Sie verpassten allerdings den richtigen Augenblick und ich bekam alles ins Gesicht. Nun gut, dafür wurde es eine gute Szene! Alle meine Enkel lieben diesen Film.

In den 1960er Jahren sah man Sie weniger auf der Leinwand, dafür mehr im Fernsehen und auf der Bühne. Sie hatten auch eine Show im berühmten Flamingo Hotel in Las Vegas...

Ich sang und tanzte in dieser Show. Ich zog mich (von den Filmen) zurück und wurde der Star im Flamingo. Meine Partner waren drei Jungs, ich wurde der vierte. Es gab da einen "Motorradfahrer-Song" und viele andere schöne Sachen. Das Life Magazin fotografierte mich. Es wurde ein großer Erfolg. Vier Wochen spielten wir die Show. Ich bin aber keine Spielerin und das war eigentlich nicht das, was ich wirklich machen wollte. Aber meine Tochter und Lorenzo besuchten mich an den Wochenenden. Das Kindermädchen brachte sie nach Las Vegas.

Die Arbeit mit den Jungs machte auch Spaß — ich liebte es auf der Bühne zu arbeiten. Tagsüber war es aber sehr öde, denn ich spielte nicht, und damals gab es außer Spielautomaten nicht viel zu machen. Heutzutage gibt es alles in Las Vegas und mit der Familie kann man da eine schöne Zeit verbringen. So schrieb ich damals tagsüber meine Kolumnen. Dreimal die Woche veröffentlichten sie meine Schönheitskolumnen in über hundert Blättern. Meine Sekretärin kam und wir arbeiteten daran zusammen. Mehr gab es für mich nicht zu tun.

Sind Sie zumindest Frank Sinatra in Las Vegas begegnet?

Oh ja, wir kannten uns bereits. Und, natürlich, war Marlene Dietrich da. Sie war in einem der Hotels. Sammy Davis Jr. war da. Sie alle kamen zu meiner Generalprobe, und ich hatte keine Ahnung, dass es für die Topstars ein Brauch in Las Vegas war, zu einem Newcomer zu kommen, wenn er in Las Vegas zum ersten Mal auftritt. Deshalb waren sie im Publikum, und ich konnte sie nicht sehen, denn das Licht war auf mich gerichtet, nicht auf sie. Ich wusste, dass die Produzenten einige Leute eingeladen hatten, um zu sehen, wie es lief. Aber ich hatte keine Ahnung, dass alle diese großen Stars im Publikum saßen. Als das Licht wieder ganz anging, "starb" ich fast. Da waren sie, Dietrich, Sammy Davis, die Rich Brothers und die anderen. Das war unglaublich. Es war wie eine Familie. Von jedem erhielt ich gute Tipps. Sammy Davis erzählte mir, er wollte eine Gesprächsnummer prüfen, dann zeigte er mir aber etwas Besseres. Die Jungs und ich probten die Nummer, die uns Sammy Davis gab, und brachten sie in die Show. Und er hatte Recht. Und Dietrich prüfte die ganze Show. Wir gingen die ganze Aufführung durch, während Dietrich in der Loge saß, arbeiteten mit den Lichttechnikern, denn sie sagte, diese Leute wissen nicht, wie man rotes Haar ausleuchtet. Sie sagte: "Dein rotes Haar darf bei allen diesen Lichtern nicht abstechen."

Kannten Sie Marlene Dietrich schon aus Hollywood?

Wir hatten uns lediglich ein- oder zweimal bei Paramount gesehen. Sie machte viele Filme für Paramount. Wir trafen uns im Ankleideraum und wurden uns dadurch bekannt. Sie besprach meine Show, wie ein sehr guter Freund. Zu ihrem Bekanntenkreis zählten allerdings eher Männer. Sie war mehr eine Frau für Männer.

In den letzten Jahren sah man Sie in verschiedenen Fernseharbeiten wie Love Boat etc...

Ich habe auch eine Soap in Amerika gemacht. Von 1981 bis 1984 zählte ich zum Stammpersonal in ABC's One Life To Live. Ich spielte einen Charakter aus Dallas mit Südstaatenakzent. Wir filmten vier Jahre fast jeden Tag, so wie sie es bei den mexikanischen Telenovelas machen. Diese sind sehr populär in Amerika. An einem Tag wird eine ganze Stunde Aufnahmen produziert. Eine sehr schwierige Arbeit, die mir aber Spaß machte. Besonders weil mir der Charakter, den ich verkörperte, gefiel.

Sie haben, neben der Filmarbeit, auch beispielsweise Mode entworfen?

Ja, eine Parfüm-Kollektion, die ich "Dahlia" nannte, und die 1976 herauskam...

...Und auch viele Bücher geschrieben?

Ja, auch das stimmt. Ich war sehr beschäftigt. Mein erstes Buch erschien 1965 und hieß: "Always Ask a Man" (Frage immer einen Mann).

Von Zeit zu Zeit sieht man Sie in Fernsehshows auftreten, etwa bei Larry King Live...

Drei oder viermal war ich bei ihm zu Gast. - Letzten Freitag wurde ich auf einer Veranstaltung für meine Arbeit in der Filmindustrie geehrt.

Es ist schön, dass man Ihre Filme nicht vergessen hat!

Ich bekomme immer noch über 100 Briefe im Monat von überall auf der Welt. Manchmal sind es auch zwei- bis dreihundert, die ich alle persönlich beantworte.

Wie denken Sie über das heutige Hollywood?

Ich glaube, Hollywood hat seinen Glanz verloren. Die jungen Schauspieler sind das, was Dore Schary "realistisches Sozialdrama" nannte. Das heißt, sie sind das "Sozialdrama", sie sind gekleidet, als wollten sie in ihren Jeans Tische waschen, in ihren T-Shirts, sie waschen sich nicht die Haare, schauen nicht auf ihr Aussehen. Oder sie laufen in Unterwäsche herum. Es ist erschreckend, was passiert. Ich wünschte, das alte Hollywood käme zurück. So dass alle die Möchtegern-Stars lernen, wie man schauspielert, wie man sich in der öffentlichkeit benimmt und wie man sich auch selbst mehr respektiert.

Ihr Sohn Lorenzo ist ebenfalls Schauspieler. Das erfüllt Sie sicherlich mit Stolz?

Sehr viel sogar. Nicht nur mit dem, was er zustande bringt. Er ist ein Fernsehstar, hat aber auch Filme gedreht. Aber ich bin auch sehr stolz, dass er ein guter Vater ist. Er hat drei kleine Mädchen. Natürlich muss er arbeiten, aber jedes Wochenende sieht er die Mädchen, die jetzt im Alter von 4, 6 und 8 Jahren sind. Er ist so ein guter Vater. Ich bin wirklich stolz auf ihn! - Im vergangenen November hat er in New York seine Gesangspremiere gefeiert. Die Kritiken waren phantastisch. Sie verglichen ihn mit Dean Martin, Julio Iglesias und Hugh Chapman. Er bekam Angebote vom Broadway, auch für mehr Gesangsauftritte. Ich bin deshalb sehr glücklich.

Christopher Barker ist dagegen mittlerweile nicht mehr im Showgeschäft...

Ja, leider. Würde er ein bisschen näher wohnen, könnte ich mehr Einfluss auf ihn haben, dass er die Singerei weiter verfolgt. Denn er hat eine so wunderschöne Stimme. Ich stellte ihn, als er sehr jung war, einem Stimmentrainer vor. Christopher erzählte mir damals, er liebe es zu singen. Und ich sagte: "Nun, wenn du singst, musst du lernen, wie du die Töne produzierst, die du hören willst." Ich brachte ihn zum ersten Lehrer, der ihn in klassischen Arien lehrte, denn er hat eine Stimme für die Oper, die sehr stark ist. Er ist ein wunderbarer Junge. Christopher machte zwar drei Alben, aber nicht das, was ich gerne von ihm hören würde. Das sind die deutsche Operette und die musikalische Komödie. Wenn er das singen würde, wäre ich darauf stolz!

Glauben Sie, er wird eines Tages ein Comeback erleben?

Keine Ahnung. Ich frage ihn immer, ob er zumindest noch seine Stimme übt. Er sagt: "Ja, wenn ich die Zeit dafür habe." Ich bin mir nicht sicher, ob er genügend Zeit hat, das zu tun. Aber ich frage ihn immer wieder und hoffe, es wird ein Comeback geben.

Kommen wir zurück zu seinem Vater. Es gab damals Pläne für gemeinsame Filme...

Ja, wir lasen viele Drehbücher, die für uns in Frage kamen.

...und Filmtitel wie Colonel Blood oder Fire Over Africa...

Fire Over Africa wurde mit Rhonda Fleming gemacht. Aber zunächst waren Lex und ich dafür im Gespräch. Wir beide standen aber noch für andere Filme vor der Kamera, so dass der Film letztlich mit anderen Darstellern verwirklicht wurde. Sie wollten nicht auf uns warten. Sie besetzten die Rollen um.

Was denken Sie eigentlich über Tarzan?

Es war fabelhaft, dass Lex Tarzan spielte. Er ließ mich jeden Tag mittrainieren. Seine Physis war bestens, er war sehr stolz und arbeitete viel, das so zu belassen. Im Studio sah ich ihn nicht als Tarzan, und ich konnte auch nicht mit nach Afrika gehen, denn ich hatte meine eigenen Filme. Als er von den Tarzan-Dreharbeiten zurückkam, arbeitete ich jeden Tag bei Paramount an meinem Film. Das alles arbeitete gegen unsere Ehe.

Beim Betrachten des Buches "Tarzan und Hollywood" haben Sie viele bekannte Gesichter wieder gesehen. Was können Sie zu Produzent Sol Lesser sagen?

Sol gab Lex eine Zulage, die er für unsere Hochzeit verwenden konnte. Sol Lesser war bezüglich des Vertrages mit Lex nicht so großzügig. Ich fragte Lex nie, wie viel er bei einem Tarzan-Film verdiente. Er verdiente bestimmt nicht viel Geld, auch wenn er die Hauptrolle Tarzan spielte. Auf diesem Gebiet war Sol Lesser nicht sehr großzügig. Bezüglich der Publicity finanzierte er aber die Hochzeit. Das war sehr freundlich von ihm. Ich traf Sol Lesser bei einigen Gelegenheiten, aber niemals auf Partys. Er war halt ein Geschäftsmann, für ihn war das das wichtigste. Lex wollte, dass ich mit ihm nach Afrika komme. Ich weiß nicht, ob das Sol Lesser unterstützt hätte oder nicht. Die Frage stellte sich nicht, denn ich stand bei Paramount unter Vertrag und die unter Vertrag stehenden Schauspieler fanden eigentlich immer Einsatz. So hatte ich niemals eine Chance, mit nach Afrika zu gehen. Wäre ich mit nach Afrika gegangen, wären wir vielleicht zusammen geblieben. Wer weiß? So ist das Leben.

Sind Sie jemals Johnny Weissmuller begegnet?

Oh ja...

Wie unterschiedlich zu Lex war er?

Komplett unterschiedlich. Die einzige Sache, die beide vorwiesen, war ihre großartige Physis. Weissmuller bewegte sich nicht in den gleichen Gesellschaften wie Lex. Er ging nicht soviel aus. Er war ein sehr netter Mann, aber er bewegte sich in Hollywood in anderen Kreisen.

Abschließend noch eine Frage: Wie ist heute Lex Barker noch in Ihrem Leben?

Ich schließe meine Augen, und denke, ich höre Lex. Lex ist bereits und immer noch ein Teil meines Lebens.

Vielen Dank für das Interview.

Reiner Boller (2007)



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Stand:  17.01.2008

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